Pilgerwege

Im Norden Europas liegt eine berühmte Pilgerstrecke, die im Mittelalter bis zur Reformation zum Ablass der Sünden und zur Heilung genutzt wurde und seit 2006 wieder ausgeschildert ist.

Auf rund 130 Kilometern führt der Pilgerweg von Berlin zum Wallfahrts- und Kurort Bad Wilsnack. Der Wunderbluglegende zufolge wurden hier im Jahr 1383 nach einem Brand der Kirche St. Nikolai drei unversehrte, blutbefleckte Hostien gefunden. Hunderttausende Menschen strömten daraufhin in den folgenden 150 Jahren bis zur Reformation zu dem »heiligen Ort der Wunderblutkirche«, der als berühmteste Pilgerstätte Nordeuropas ehrfürchtig »Santiago des Nordens« genannt wurde - und nicht nur das. Angeblich wurde in Alt Krüssow ein Rock der Heiligen Anna - Großmutter Jesu - bewahrt, was den Ort mit der idyllischen Feldsteinkirche St. Anna rasch zu einem Ziel einer aufblühenden Pilgertradition auf dem Annenpfad hat werden lassen.


Wege nach Wilsnack – Über den Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack

Nicht nur Rom, Santiago de Compostela und all die bekannten Namen waren Wallfahrtsziele des Mittelalters und sind es bis heute geblieben. Auch nach Wilsnack in der Prignitz kamen jedes Jahr Pilger aus ganz Nord- und Mitteleuropa und machten es damit zum drittgrößten Wallfahrtsziel Europas.

Pilger vor der Wunderblutkirche in Bad WilsnackFoto: Studio Prokopy

Als im Jahr 1383 der Raubritter Heinrich von Bülow das Dorf Wilsnack niederbrannte, ahnte er nicht, was er mit dieser Freveltat in Gang gesetzt hatte. Der damalige Pfarrer Johannes Cabbuez fand in den Trümmern der Dorfkirche drei geweihte, blutbefleckte Hostien, die dem Brand standgehalten hatten. Fortan pilgerten zum heiligen Blut nach Wilsnack neben Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung auch Fürsten und Könige und machten so das Dorf bekannt.

Zugleich löste der Wunderblutkult einen heftigen Streit unter der geistlichen Elite Europas aus, bis 1552 im Zuge der Reformation die Hostien verbrannt wurden. Zwar versiehte der Wallfahrtsstrom, jedoch hinterließen die Pilger eindrucksvolle Spuren auf ihren Wegen nach Wilsnack.

Der 130 km lange Pilgerweg kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad, allein oder in der Gruppe auf alten einsamen Feldwegen, durch Wälder und Wiesen, entlang malerischer Alleen zurückgelegt werden. Entdecken Sie reizvolle kleine Dorfkirchen und lernen Sie auf Ihrem Weg Leute kennen, die sich um Ihr Wohl kümmern. Am Ziel Ihres Weges erwartet Sie im heutigen Kurort Bad Wilsnack Entspannung für Körper und Seele. In der St. Nikolai-Kirche spüren Sie beim Rundgang durch die Ausstellung »Wunder, Wallfahrt, Widersacher« dem alten Pilgergedanken nach und lassen sich von der Größe und Ursprünglichkeit dieser spätgotischen Hallenkirche beeindrucken.

Wunderblutkirche St. Nikolai
Pilgerkreuz in Bad Wilsnack
Informationen zur Wunderblutkirche St. Nikolai erhalten Sie unter:
www.wunderblutkirche.de

In der Kurstadt Bad Wilsnack engagiert sich ein Verein für den Erhalt der Kirche und ist Initiator des Pilgerwegs. Hier laufen alle Informationen zum Weg zusammen. Jährlich im August findet ein Pilgerfest mit viel Spaß und Leckereien, einem Handwerkermarkt und Konzerten oder Theateraufführungen der Geschichte der Wilsnackfahrt als Laienspiel statt. Damit nicht genug – das »Theater am Pilgerweg« findet auch zu ausgewählten Terminen als »Theaterwanderung« auf dem Weg statt.


Der Weg ist das Ziel – Der Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack

Der Weg führt von Hennigsdorf über Flatow, Linum, Hakenberg, Tarmow, Fehrbellin, Garz bis hinein in die Prignitz. Erste Station in der Prignitz ist Barsikow mit seinen uralten Weiden und Eichen, die Pilger schon damals wie heute begleiteten. Im Turm der Barsikower Kirche bietet die Kirchengemeinde Pilgerquartiere an.

Nach der Nachtruhe führt der Weg nach Metzelthin, wo an den mittelalterlichen Glocken der alten Feldsteinkirche mehrere verschiedene Pilgerzeichen zu finden sind. Schon weithin sichtbar erhebt sich auf dem weiteren Weg die mächtige Pfarrkirche St. Peter und Paul, die dem Pilger den richtigen Weg nach Wusterhausen weist.

Idyllische Rast- und Bademöglichkeiten unterwegs bieten sich entlang des Klempow- bzw. Untersees der Kyritzer Seenkette. Der Garten des ehemaligen Franziskanerklosters in Kyritz bietet die Kulisse für mittelalterliche Feste. Vorbei an der kleinen Fachwerkkirche von Rehfeld geht es auf einem landschaftlich reizvollen Weg, der die Weite der Prignitz offenbart, weiter über Berlitt, Barenthin, Görike, Söllenthin, Klein Leppin und Groß Leppin bis nach Plattenburg.

In malerischer Lage erhebt sich mitten im Wald Norddeutschlands älteste und größte noch erhaltene Wasserburg, die zu Zeiten des Wunderblutes den Havelberger Bischöfen als Sommerresidenz diente. Die letzten Kilometer führen nach Bad Wilsnack.

Geschichte und Gegenwart findet der heutige Pilger am Ziel seiner Reise. Die Kneippanlage an der Karthane, die Kristall Kur- und Gradier Therme, das Kurmittelhaus und eine gastronomische Vielfalt bieten ganzheitliche Entspannung für Körper, Geist und Seele.

Ausführliche Beschreibungen der Geschichte, des Wegeverlaufs, eine Unterkunftsliste, Literaturtipps, Souvenirs und den Pilgerpass finden Sie unter:
www.wegenachwilsnack.de
Weg nach Bad Wilsnack

Über den annenpfad

Die heilige Anna war im Spätmittelalter eine der beliebtesten Heiligen. Der Legende nach ist sie die Mutter der Maria und damit die Großmutter von Jesus.

Labyrinth an der Kirche in Bölzke, Annenpfad

Sie war Schutzpatronin der Zünfte, der Handel- und Gewerbetreibenden, der Frauen und Mütter, der Bergleute und Knechte, von der Pestkranke und Lahme Hilfe und Erleichterung erflehten. Angeblich wurde in Alt Krüssow ein Rock der Heiligen Anna aufbewahrt, der rasch Ziel einer aufblühenden Pilgertradition wurde.

Noch im 18. Jahrhundert sollen schockweise Krücken (1 Schock entspricht 60 Stück) in der Wallfahrtskirche aufbewahrt worden sein, die als Dank der wundertätigen Reliquie dargebracht worden waren. Mit der Reformation verloren die Wallfahrtsorte an Bedeutung, doch die aufwändigen Kirchen mit ihrer kostbaren Ausstattung blieben erhalten.

Heute sind Schnitzaltäre und Annendarstellungen in der Pritzwalker Kirche St. Nikolai, im Museum Kloster Stift zum Heiligengrabe sowie im Stadtmuseum Berlin zu bewundern. Die Idee eines Pilgerweges, der die Wallfahrtskirchen in Heiligengrabe und Alt Krüssow mit der Dorfkirche in Bölzke verbindet, wrude 2011 mit der Eröffnung des annenpfades Wirklichkeit. In und an der Kirche des Rundlingsdorfes Bölzke illustriert eine Ausstellung das in allen Kulturen auftretende Phänomen Pilgern.

Jedes Jahr am Gründonnerstag findet das jährliche Anpilgern auf dem 22 km langen Pilgerweg annenpfad statt. Nächster Termin zum Anpilgern: 29.3.2018 um 10 Uhr ab Wallfahrtskirche in Alt Krüssow


Der Weg ist das Ziel – Pilgerweg annenpfad

Wallfahrtskirche Alt KrüssowFoto: Arbeitskreis Annenpfad

In Anlehnung an die mittelalterliche Wallfahrt nach Alt Krüssow erhielt der Pilgerweg den Namen annenpfad. Der 22 km lange Rundweg führt auf Wald- und Feldwegen durch die ruhige, weite Landschaft. Er lädt ein, durch das Gehen in der Natur einfach zu sich selbst und zu Gott zu finden. Zum Ausruhen oder Meditieren stehen entlang des Weges Bänke bereit.

Startpunkt ist das Kloster Stift zum Heiligengrabe, das einzige vollständig erhaltene Zisterzienserinnenkloster Brandenburgs. 1287 gegründet, ist es heute Ort einer evangelischen Frauengemeinschaft. Neben geistlichen Angeboten beeindruckt architektonische Schönheit. Klosterkirche, Heiligrangrabkapelle, ein Museum, das die lange Geschichte illustriert, der mittelalterliche Kreuzgang und der barocke Damenplatz bilden ein eindrucksvolles Ensemble.

Der weitere Weg führt zur Dorfkirche Bölzke, die 1825 als schlichter Fachwerkbau mit Dachtürmen errichtet wurde. Aus dem Vorgängerbau wurde der vom Meister Groth signierte Kanzelaltar von 1757 übernommen. 2011 wurde die Kirch restauriert und mit einer Ausstellung über das Pilgerwesen ausgestattet. Infostelen, ein meditatives Labyrinth und eine Bücherzelle vor der Kirche ergänzen das Angebot. Über Kemnitz führt der Weg weiter zur ehemaligen Wallfahrtskirche St. Anna in Alt Krüssow.

Die Wallfahrtskirche ist eine bedeutende spätgotische Hallenkirche mit reich dekoriertem Stufengiebel im Osten. Neben Heiligengrabe und Wilsnack war die Kirche das wichtigste Pilgerziel in der Prignitz.