Sie dampft und schnaubt auf der 9 Kilometer langen Strecke von Lindenberg nach Mesendorf – »Pollo«, die einzige Schmalspurbahn Brandenburgs. Von 1897 bis 1971 beförderte die vor allem Güter quer durch die Prignitz. Bahnknotenpunkt war Lindenberg, das heute ein Kleinbahnmuseum beherbergt. An einigen Wochenenden hat es geöffnet, dann können Fans auch mit historischen Dampf- oder Diesellokzügen entlang der Prignitzer Naturlandschaft fahren.

Der »Pollo« durch Wald und FlurFoto: Tourismusverband Prignitz

Die Prignitzer nennen sie liebevoll »Pollo«. Die Schmalspurbahn, deren Gleise es mit einer Spurweite von 750 mm nur auf gut die Hälfte des Üblichen brachte. Vor rund 140 Jahren herrschte auf den deutschen Hauptstrecken bereits reger Personen- und Güterverkehr. In den landwirtschaftlich geprägten Regionen wie der Prignitz fühlte man sich abgehängt. Am Rande der Region fuhren die Züge zwischen Hamburg und Berlin – doch im Herzen der Region wussten die Landwirte oft nicht, wie sie den Absatz ihrer Produkte bewerkstelligen sollten. Schmalspurbahnen als Zubringer versprachen die Lösung. Sie waren leichter als die herkömmlichen Bahnen, was den Gleisbau wesentlich erleichterte. So entstand zwischen 1897 und 1912 in der Prignitz ein aus fünf Linien bestehendes Schmalspurnetz mit einer Länge von 102 Kilometern. In Glöwen, Breddin, Pritzwalk, Kyritz und Perleberg trafen sie auf die Hauptstrecken. Später kam eine Schmalspurstrecke bis in die Hansestadt Havelberg hinzu. Über 200 Güterwagen und 14 Personenwagen wurden angeschafft.

Eine Fahrt im »Pollo«Foto: Tourismusverband Prignitz/Markus Tiemann

Den Namen »Pollo« verdankt die Bahn dem Hund des Dannenwalder Försters, der jeden Zug mit lautem Gebell begrüßte und von seinem Herren zur Ruhe gerufen werden muste. Der »Pollo«-Ruf des Försters hat die Fargäste wohl derart beeindruckt, dass sie ihre Bahn danach benannten. Zugelassen war auf allen Strecken ab 1910 eine Geschwindigkeit von 30 km/h, in Orten nur 12 km/h. Schon 1967 begann in der Prignitz der Abschied von den Schmalspurbahnen, da Dampfloks ausgedient hatten und die Gleise derart zerschlissen waren, dass die Investitionen kaum noch zu tätigen waren. Am 1. Juni 1969 setzten sich drei festlich geschmückte Züge zur Abschiedsfahrt in Richtung Lindenberg in Bewegung, einzig die Strecke zwischen Glöwen und der Hansestadt Havelberg blieb bis 1971 erhalten. Nach der Abstellung begann sofort der Abbau der Gleise, die verschrottet wurden. Schwellen wurden zu Brennholz verarbeitet, Personenwagen zum Kauf angeboten, sie beendeten ihr Dasein als Schuppen oder Hühnerstall. Drei der fünf vorhandenen Dampfloks fanden Käufer, zwei wurden sogar verschrottet. Das bedeutete vorerst das Ende des Schmalspurbahnnetzes in der Prignitz.

Vor dem Prignitzer Kleinbahnmuseum fährt eine Feldbahn für die KleinenFoto: Tourismusverband Prignitz/Markus Tiemann

Dann aber fanden sich ein paar Eisenbahnliebhaber zusammen. Sie gründeten erst ein Museum für ihren »Pollo«. Dann sorgten sie für die Bergung und Rekonstruktion von Fahrzeugen und Bahntecknik, sie besorgten Gleise und verlegten sie auf den alten Trassen neu. Zwischen 1996 und 2007 wurde so zwischen Mesendorf und Lindenberg ein 4,5 Kilometer langes Teilstück des alten Bahnnetzes zum Leben erweckt. Mittlerweile hat der Verein über 110 Mitglieder, welche den gesamten Betrieb der Eisenbahn ehrenamtlich durchführen und während der Öffnungs- und Fahrzeiten das Museum und den »Pollo« betreuen. Wer den Charme der Vergangenheit erleben möchte, kann an einigen ausgewählten Fahrtagen eine Pollofahrt mitmachen:

Mit dem Fahrrad durch die Prignitzer Wälder zum »Pollo«Foto: Tourismusverband Prignitz/Prokopy
Kopfmotiv: Tourismusverband Prignitz/Markus Tiemann